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Exitmusic.ch
30.03.2007 / Philipp Gautschi

Fuck design, destroy art, kill fashion

Lucerne Rock City von seiner wildesten und chaotischsten Seite.

Dr.punc.suc. Devil und Prof.roc.fuc. Turbowolf, die gescheiterten Pädagogen aus Luzern, spielen Streetpunk in Reinform. Chaotisch, kraftstrotzend, musikalisch wertlos und rotzfrech. Ein Schlagzeug und eine Gitarre reichen, um sogar im politisch desinteressiertesten Schnösel das Bedürfnis Steine zu schmeissen, Autos anzuzünden, von Wasserwerfern weggespült zu werden und sich hier und jetzt grauenhaft die Luke dichtzulöten, zu wecken. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen, da werden Schulkinder zum Mitsingen genötigt, ’vo lozärn gäge wäggis zue’ angestimmt, die Beatles und Uriah Heep mit sturzbetrunkenem Beizenchor durch den Schlamm gezogen und Hippies wie Nazis wird gleichermaßen der Tod gewünscht. Ein kleines bisschen Anarchie aus dem Herzen der Schweiz. Musikalisch ist die Platte absolut nicht erwähnenswert. Die gewohnten drei Akkorde, das gewohnt polternde Schlagzeug sowie der gewohnt geschriene bzw. gebrüllte Gesang haben jedoch auch nicht den Anspruch, irgendwelche musikalischen Maßstäbe zu setzen. Das ist Punk und da spielt’s auch keine Rolle, wenn mal der eine oder andere oder gar kein Ton nicht getroffen wird. Höllensympathisch, wie die munteren Musikanten das Ende des Openers ’Riot Rules The Town Tonight’ verbocken (’Jetz wärs no cho’ - ’Was?’ - ’S akkustische’ - ’Aaaah, schad, möchemer wiiter’ – ’Hö’….’ou fuck’…’esch ned guet?’ – ’So heschs welle, dä lömmer so chom’ – ’hesch ne droff?’…) und sich keinen Deut drum scheren. Dass die Produktion genauso holprig wie die Musik ist, stört hier auch niemanden. Da darf man mitgrölen, da muss Pogo getanzt werden, und hohe Alkoholpegel sind wahrscheinlich nicht nur erwünscht, sondern Pflicht. Dass es auch mal vorkommen kann, dass das Schlagzeug plötzlich lichterloh brennt, ist selbstverständlich, doch darauf möchte ich hier nicht genauer eingehen. Die Liveauftritte der Band sind jedenfalls berühmt-berüchtigt und hiermit jedem ans Herz gelegt. Objektiv betrachtet ist meine hohe Wertung völlig überzogen und unfair gegenüber Bands, welche sich sprichwörtlich den Allerwertesten aufreißen, unzählige Stunden Arbeit, Kreativität und Probestunden investieren, um danach ein hochwertiges, intelligentes, forderndes und anspruchsvolles Stück Musikgeschichte präsentieren zu können. Doch der gekonnt organisierte Krach, die regionale Bindung (’Back To Slaughterhall’ z.B. ist der Metzgerhalle, dem Stammlokal der beiden Chaoten, gewidmet), die unverschämte Respektlosigkeit, die Selbstironie und das vernünftig zelebrierte Säufertum der Failed Teachers sind dermaßen charmant, dass es mindestens vier Sterne geben musste.

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